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Liebe Mila,
danke, dass ich dich auf deinem Weg in die Freiheit ein kleines Stück begleiten darf.
Und danke, dass du so viel mit mir teilst und anvertraust.
In der Zeit unseres ersten Kontaktes auf deinem Weg in die Freiheit, wusstest du noch nichts darüber, wie es weitergehen konnte. Aber eines wusstest du: du warst zutiefst gefangen. Du hattest jemanden gesucht, mit dem du beten und Gott fragen kannst, wie es weitergehen soll, und wie du jemals aus diesem Käfig freikommen kannst.

Bereits beim ersten mal schenkte Gott zwei Bilder. Eines, welches dir half, in deiner Zeit im Käfig sicher zu sein. Und eines, welches zeigte, dass Gott eine Tür geöffnet hat, durch die du mit Jesus gehen kannst. Noch konnten wir von dieser Tür nichts sehen, doch wir beteten gemeinsam, dass Gott sie zeigen und öffnen würde.
Inzwischen ist gar nicht so viel Zeit vergangen. Es sind mehrere Türen erschienen und geöffnet worden, durch die du gehen konntest. Noch bist du nicht ganz frei - aber die Freiheit nimmt in so einer rasanten Geschwindigkeit zu, dass ich es manchmal kaum fassen kann. Ich bewundere deinen Mut und deine Tatkraft. Denn es ist nicht leicht, sich aus einem Raum zu bewegen, in dem man viele Jahre lang gefangen war. Du tust es so ehrlich und mutig zugleich.

Von Zeit zu Zeit bekomme ich eine Nachricht von dir. Dann hat der böse Wächter Angst sich dir gezeigt. Und du fragst dich - und mich: Ist das hier alles richtig, was ich tue? 
Was,  wenn alles ein Irrtum ist und ich einen falschen Weg nehme?
Ich glaube, diese Fragen kommen zwangsläufig, wenn man sich auf einen Weg in die Freiheit aufmacht. Sicherlich wird es auch in Zukunft immer wieder Momente geben, wo dich solche Zweifel und Ängste überfallen. 

Mich erinnert das an das Volk Israel. Ihr Gefängnis war das Land Ägypten. Zunächst waren sie als begabte und fähige Gastarbeiter dort gern gesehen, später wurden sie unterdrückt und versklavt.  Man trieb sie zu Zwangsarbeit. Man schlug sie. Man verachtete sie. In einer Zeit, in der sie sehr stark wuchsen, brachte man alle Söhne, die ihnen geboren wurden, um, damit sie nicht zu einer Bedrohung werden konnten. Man stelle sich das Leid und die Grausamkeit vor, als die Babies ihrem Müttern entrissen wurden, um getötet zu werden. Solche Gräuel kann man nicht vergessen, oder? Alles musste besser sein, als dort zu bleiben. Oder?

Nach langen, blutigen Verhandlungen gibt der Pharao endlich seine Zustimmung, dass das Volk Israel sein Land verlessen und in die Freiheit ziehen kann. Gott hatte eine Tür geöffnet, die es vorher nicht gab.
Das große Volk - Männer, Frauen und Kinder, alte und junge Menschen - zieht endlich los. Zu Fuß. Erste Schritte in die Freiheit werden getan. Mehrere Tage wandern sie, doch dann scheint alles aus zu sein. Der Pharao ändert seine Meinung und schickt seine Soldaten los, die ihnen mit Streitwagen nachjagen. Schon bald sind sie in Sichtweite, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sie einholen. 
Hinter ihnen die Feinde, die tödliche Bedrohung. Vor ihnen das rote Meer, welches ihnen den Weg abschneidet. 

Zum ersten mal fallen die Israeliten in ein Handlungsmuster, welches ihnen bald zur Gewohnheit wird. Sie bekommen Panik und stellen den ganzen bisherigen Weg infrage. Sie klagen: Wir hätten lieber in Ägypten bleiben sollen. Wir hätten lieber Sklaven bleiben sollen! Wir werden alle sterben.

Gott greift ein: Er öffnet Türen, wo vorher keine waren, und ebnet ihnen einen Ausweg, der vorher nicht da war. Gott teilt das rote Meer und die Israeliten können trockenen Fußes ihren Weg in die Freiheit fortsetzen. Hinter ihnen gehen die Feinde und die tödliche Bedrohung in dem sich schließenden Meer unter. 

Seltsam ist es, dass die Israeliten nicht aus dieser Erfahrung lernen. Immer wieder geraten sie auf ihrem Weg in die Freiheit in ähnliche Situationen. Und immer wieder geraten sie in Panik und zweifeln den gesamten bisherigen Weg an. Immer wieder erscheint es ihnen besser, sie wären in Ägypten und in der Gefangenschaft geblieben. 

Ich glaube, ihr Verhalten ist zutiefst menschlich. Geht es uns nicht ähnlich, wenn auf unserem Weg Hindernisse auftauchen, die uns unüberwindbar erscheinen? Ich glaube, die meisten Menschen geraten dann in Panik und bekommen Zweifel. Wir neigen dann dazu, alles bisherige zu hinterfragen und zu denken, wir hätten einen Fehler begangen, als wir uns für die Freiheit entschieden haben.

Immer wieder erlebt das Volk Israel, dass Gott in solchen Situationen Türen öffnet, wo keine sind. Dass er sie auf Wegen führt, die vorher noch nicht da waren.
Und so kommen sie Schritt für Schritt weiter auf ihrem Weg in die Freiheit. 

Bis sie ihrem Ziel, ihrem Land der Freiheit ganz nah sind: dem gelobten Land. Es ist schon mit bloßem Auge zu erkennen. Sie müssen nur noch ein letztes mal aufbrechen und hineingehen.
Man schickt Kundschafter in das Land, die völlig begeistert zurückkommen: 
Ja, das Land ist wirklich das gelobte Land. Dort fließen Milch und Honig.
Aber die Kundschafter bringen auch schlechte Nachrichten mit: 
Dieses wunderbare Land werden wir nicht bewohnen können: dort herrschen Mord und Totschlag. Einige der Bewohner sind sogar Riesen. Im Vergleich dazu sind wir Heuschrecken. Unsere Reise in die Freiheit endet hier. Wir haben keine Chance.

Und mit Karacho schlittert das Volk Israel wieder in das altbekannte Handlungsmuster:
Sie schreien und weinen eine ganze Nacht lang. 
"Wären wir doch in Ägypten oder in der Wüste gestorben!" "Lasst uns lieber nach Ägypten zurückgehen!"

Bitte was? 
Sie wären lieber schon gestorben? Lieber in Ägypten geblieben und gestorben? Und anstatt weiterzugehen, wollen sie jetzt zurückgehen in die Gefangenschaft und wieder Sklaven werden? 
Was macht das für einen Sinn?
Es scheint so, als haben sie nichts gelernt auf ihrem bisherigen Weg. Sie lassen sich völlig überrollen von ihren Gefühlen und dem, was ihnen vor Augen steht. 
Panik und Zweifel. Ausweglosigkeit.

Ich kenne das von mir. Ich lese es in deinen Fragen, Mila. Ich glaube, uns allen geht es immer wieder so. 
Was kann uns helfen, nicht in das alte Handlungsmuster zu fallen? 
Was kann uns helfen, weiterzugehen auf unserem Weg in die Freiheit?
Als das Volk zum ersten mal vor dieser Situation steht, sagt Mose folgendes zu ihnen:

"Habt keine Angst!
Verliert nicht den Mut!
Ihr werdet erleben, wie der Herr euch heute rettet.
Die Ägypter werden euch nie wieder bedrohen.
Der Herr selbst wird für euch kämpfen, wartet ihr nur ruhig ab!"
2. Mose 14, 13-14

Lass uns so handeln lernen, Mila.

Wenn wir keinen Ausweg sehen, 
wollen wir auf Gott schauen.
Wenn wir Angst haben, 
wollen wir uns erinnern,
wie er uns schon geführt  und geholfen hat.
Wir wollen mutig weitergehen 
auf unserem Weg in die Freiheit.
Wir werden nicht nur 
durch verschlossene Türen gehen,
sondern durch Türen, 
die vorher nichtmals existierten.
Wir werden auf Wegen gehen, 
die Gott aus dem Nichts für uns schafft.
Wir werfen unsere Ängste und Zweifel ihm zu.
Wir halten fest an unserem Vertrauen,
dass er Freiheit für uns will,
dass er uns in unser Land der Freiheit führt.

Text: B.Peter


Den Weg des Volkes Israel ins Land der Freiheit kann man hier nachlesen: 2. Mose 1 - Josua 24. In diesem Artikel sind besonders erwähnt die Begebenheiten aus 2. Mose 13,17 - 2. Mose 14,31 und 4. Mose 13 - 4. Mose 14,4 
Nachzulesen in der Bibel. Ich empfehle neuere Übersetzungen, wie z.B. die "Hoffnung für alle" oder auch die Volxbibel.

2 Gedanken zu “Die Angst vor der Freiheit und das Meer, die Wüste und die Riesen – Brief an eine Kämpferin aus dem real life

  1. Eine andere Bloggerin schrieb heute auch schon übers Vertrauen. Zwar ging es in ihrem Fall drum, dass sie ihrem Pferd vertrauen lernt und umgekehrt, aber es ist ja schon überraschend, von so vielen Aufrufen zum Vertrauen umgeben zu sein!
    Mir ist beim Lesen die Zeile von Paul Gerhard eingefallen,
    „Der Wolken, Luft und Winden
    gibt Wege, Lauf und Bahn,
    der wird auch Wege finden,
    da dein Fuß gehen kann.“
    Das ist mir oft ein großer Trost gewesen, wenn mein Leben sich mal wieder besonders unWEGsam verhalten hat.

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